Mittwoch, 17. März 2010


Woanders wird auch geträumt, ich weiß; in jeder Stadt der Welt leben die Menschen mit großen Erwartungen und kleinen Lügen. Aber in Berlin geht das besonders gut. In Berlin macht es einen so angenehm melancholisch, darauf zu hoffen, dass die Dinge so werden, wie man es will. Und außerdem: Etwas dafür zu tun, geht hier leichter, weil so viele um einen herum sind, die das auch versuchen.

Ich rede von der Bohème, von Tausenden mehr oder weniger junger Leute, die aus Frankfurt, New York oder Koyoto vor allem in den Osten Berlins kommen, um dort zuerst sie selbst zu sein und danach vielleicht Stars für einen Tag oder ein Leben. Ob sie wirklich etwas können und später die Filme drehen, die Musik machen, die Bücher schreiben werden, wie sie es sich wünschen, ist egal. Ihr größtes und wichtigstes Projekt ist die Stadt selbst, die sie mit ihrem Ehrgeiz und ihrem Individualismus beseelen.

Die Bohème war natürlich schon immer die Avantgarde einer Großstadt – und wenn die Bohème einen Bogen um eine Großstadt macht, dann ist die Großstadt keine. Berlin ging es so fast sechzig Jahre, von Hitlers Anfang bis Honeckers Ende. Jetzt kommen sie aber wieder alle hierher, die Schönen, die Freien, die Bekloppten und das hat gerade erst begonnen.....

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